Berichte zum Frühjahrskonzert 2001
Musikalischer Hochseilakt
Akkordeon-Orchester Wimsheim weckte in der "Trattoria" Sehnsucht nach bella Italia
WIMSHEIM. Ade, tristes teutonisches Aprilwetter, "benvenuto bella Italia." Drei Stunden lang schwelgten die kleinen und großen meister der weißen wie schwarzen (Diskant-)Tasten und (Bass-)Knöpfe in der zur Trattoria verwandelten Radsporthalle. Musikalisches Hochseil gleich zu Beginn. Mit Fritz Dolblers "Romanze" stellte sich das handverlesene Ensemble unter Rose Bühlmaier vor, im Rhythmus unterstützt vom Hamberger Stefan Sickinger an der Pauke, vielseitiger Solist beim Musikverein Neuhausen.
Märchenhaft war die Ankunft jenseits der Alpen: Das erste Jugendorchester ließ per Würthnerscher "Sinfonetta" den Kalifen Storch über die Bühne staksen, Aschenputtel (pianissimo) zur Schönheit aufblühen, das tapfere Schneiderlein mit flinken Fingern über die Tasten hüpfen, um schließlich mit Hans gemeinsam im Glück zu sein, nicht enden wollender Applaus stand am Ende.
Den erwarten die Ensemble-Mitglieder, aber auch die Könner des ersten Jugendorchesters, am letzten Mai-Wochenende in Innsbruck. Die Wimsheimer stellen sich beim "Internationalen Festival" einer hochkarätigen Akkordeon-Jury. Vor heimischem Publikum intonierte das erste Orchester zunächst den "Nostalgischen Tango". Vollends seinem Motto "Bella Italia" gerecht wurde das 33 Aktive zählende Aushängeschild des Orchesters mit dem Paso doble "Sicilia" und dem Potpourri "Italiana", zu dem Saskia Grein (Tiefenbronn) am Saxofon einen glänzenden Soloauftritt beisteuerte.
Das zweite Jugendorchester verweilte nur kurz in behäbigen nördlichen Gefilden ("Feierabend-Ouvertüre"), um dann in südlichen Weisen zu schwelgen. "La Glondrina" durfte auftreten, bei "Tiritomba" summten die Gäste mit, um dann bei Offenbachs "Barcarole" in südländische Begeisterung auszubrechen. Dann eroberte die Theatergruppe der Tastenkünstler die Herzen der Gäste: spektakuläre Mafia-Einsätze am oberen Grenzbachtal, eine fast schon professionelle Modenschau mit Laufsteg von der Bühne ins Publikum: Der holde Mai kann kommen.
Dieser Artikel erschien am 05.05.2001 in der Pforzheimer Zeitung.