Berichte zum Frühjahrskonzert 2002

Eigenem Anspruch gerecht geworden

Sie sind gar nicht unbescheiden, die gut 50 Aktiven des Wimsheimer Akkordeonorchester um Holger Söhnle. Als "bestes Programm aller Zeiten" war die Abendunterhaltung angekündigt worden. Wenn sich dieser Anspruch auf dem gedruckten Programm auch vor allem auf den zweiten, bunten Teil des Abends bezog; auch in den beiden konzertanten Stunden zuvor langweilte sich kein Gast in der ausverkauften Radsporthalle.

Dort konnte ein musikbegeistertes Publikum sogar eine Premiere erleben. Neben den drei von Rose Bühlmaier geführten Jugendorchester und dem ersten Orchester gibt es jetzt noch das Akkordeon-Quintett. Arrangeur Sören Grein (Tiefenbronn) hatte seinen vier Mitspielerinnen die mitreißenden Musical-Melodien aus "Tanz der Vampire" auf die tanzenden Finger geschrieben.

Simona Bauer (2. Stimme), Sabrina Geiger (3. Stimme), Carina Bauer (4. Stimme) und Bianca Bauer (Bass), am Schlagwerk begleitet von Stefan Sickinger, durften sich über "Bravo"-Rufe und stehende Ovation freuen. Erstaunlich, was die vier Perfektionistinnen und ihr Chef aus den Konzertinstrumente, denen ja nur eine einzige Klangfarbe nachgesagt wird, herausholten.

Das war die richtige Einstimmung auf das Aushängeschild, das erste Orchester. Die Akkordeon-Solisten setzten Fred Raymonds Operette "Maske in Blau" auf der Bühne temperamentvoll um.

Frühlingsstimmung ins Heckengäu gebracht hatten bereits die Jugendorchester. Die kleinsten - darunter mit gerade einmal sieben Jahren die kleine Julia als die Jüngste - tummelten sich walzerselig auf der "Margaretenwiese", wagten sich mit "Summerdream" schon an einen Slow Fox und waren nach Zugabe-Rufen nicht nur der Eltern mit ihren flinken Fingerchen bei "When the Saints" kaum mehr zu bremsen.

Das zweite Jugendorchester brachte mit dem Musette-Walzer "Unter dem Himmel von Paris" Weltstadt-Flair in den altehrwürdigen Holzfachwerkbau der Radler. Das Erwachen der Natur - vom letzten Eishauch bis zur duftenden Blütenpracht - stimmten die Größeren bei ihrer "Frühlings-Ouvertüre" von Altmeister Holzschuh an. Schon auf dem Sprung in die erste Orchesterklasse: das erste Jugendorchester. Glänzend bewältigte der Nachwuchs anspruchsvolle Werke. Das schönste Kompliment hatte Holger Söhnle für die seit 1991 musikalisch leitende Rose Bühlmaier parat, frei nach einer Melodie aus der "Maske in Blau": "In Dir haben wir unser Glück gefunden".

Zur Attacke auf das Zwerchfell wurde schließlich der zweite Teil des Abends: Das Publikum erlebte "Free-TV-Wimsheim". Da blieb kein Auge trocken.
Dieser Artikel wurde von Siegfried Hörner verfasst und erschien in der Pforzheimer Zeitung.
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