Berichte zum Adventskonzert 2003

Rosen für 12 Jahre Rose B.

Wimsheimer Akkordeonorchester: beim Adventskonzert Dirigentenstab von Bühlmaier an Widmann übergeben

WIMSHEIM. Das Akkordeon-Orchester aus Wimsheim hat den Dirigentenstab übergeben: Marc Widmann ist Nachfolger von Rose Bühlmaier, die nach 12 Jahren des Erfolges feierlich verabschiedet wurde.

Wenn man als geschätzte Leiterin eines hoch angesehenen Akkordeonorchesters mit vier Leistungsstufen im Einzugsgebiet Heckengäu-Biet auf den Vornamen Rose hört, liegt es nahe, mit der "Königin der Blumen" bedacht zu werden. Zum Dirigentenstab-Wechsel nach 12 musikalisch wie pädagogisch erfolgreichen Jahren für über 60 Musikerinnen und Musiker im rund 150 Mitglieder zählenden Verein durfte die in Tiefenbronn wohnende Dirigentin Rose Bühlmaier in Wimsheims Turnhalle die langstieligen Rosen gleich im Dutzend entgegennehmen. "Mein Engagement für das Akkordeon-Orchester Wimsheim", so hatte die Dirigentin ein "Aufgaben-Quartett" an den Anfang ihrer am 20. Juni 1991 beginnenden "Wemsemer Karriere" gestellt, "ist nicht nur den Taktstock zu führen, sondern die Freude am Instrument zu wecken und zu erhalten, musikalische Früherziehung durchzuführen sowie Kreativität spielerisch zu erarbeiten". Das ist der Musiklehrerin denn auch gelungen: stehende Ovationen, als sie in der vom Team um Vorstand Holger Söhnle geschickt inszenierten Vier-Stunden-Abschiedsveranstaltung die ganze Dankbarkeit ihrer Orchester und der Familienangehörigen entgegennehmen durfte.

- Virtuoses Klanggemälde -
Nach einer letzten Führung ihres "Paradepferds" erstes Orchester durchs "Stauferland" war auch der Generationenwechsel vollzogen. Marc Widmann, seit Jahresanfang mit ansteckend-jugendhafter Freundlichkeit und keine Zweifel aufkommen lassender Bestimmtheit für die vier Orchester und das "Ensemble BiSCáS" verantwortlich, gab seinen öffentlichen Einstand standesgemäß mit dem Militärmarsch "Pomp and Circumstance", getoppt nur noch vom virtuosen Klanggemälde der "New York Ouverture".

Spätestens jetzt konnte sich Rose Bühlmaier auf dem Sitzplatz neben ihrem Vorgänger Michael Wikete zufrieden zurücklehnen: Die Nachfolge ist in guten Händen. Alle Hände voll zu tun hatte die Mutter auch internationaler Erfolge (so zuletzt in Innsbruck) dieses Wimsheimer Klangkörpers bei ihrer Verabschiedung auf offener Bühne. Gesellten sich zu den Rosen doch fein- und hintersinnige Gaben wie eine "Goldene Schallplatte", Konzertkarten für Akkordeon-Highlights 2004 in Stuttgart oder Portraits ihrer Handharmonika-Familie. Das wohl schönste musikalische Geschenk übereichte wohl Sören Grein, Chef der nach den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen unter "BiSCáS" firmierenden Ausnahme-Akkordeonspieler: eine virtuose Tasten-Hommage "Melodies for Rose", wehmütig beginnend, triumphierend endend, "backstage" begleitet mit Bildern von kleinen Geschichten und großen Höhepunkten aus dem vergangenen Jahrzehnt. Als noch die von Sören Grein ("weil unser Dank niemals in Worte gefasst werden kann") geschaffene Partitur übergeben wurde, kämpfte nicht nur Rose Bühlmaier mit Tränen der Rührung.

- Multimediale Vorstellung -
Kein Wunder, dass der Nikolaus seine Rute dieses Jahr im Hagenschieß gelassen hatte und dafür freigiebig seinen Riesen-Gabensack aufmachte. Zuvor mussten die Jüngsten erst einmal Fingerfertigkeit und Taktgefühl zeigen: da krabbelten musikalische "Glückskäfer" unbekümmert von der Bühne, sogar an einen "Blumen-Tango" wagte sich das 3. Jugendorchester. Bereits multimedial präsentierte sich die nächst höhere Stufe: zum Durchblättern von Walt Disneys "Dschungelbuch" gab’s vom Beamer synchron die Zeichentrick-Farbbilder. Aber auch beim "König der Löwen" immer gerade so viel an Bildhaftem, dass die Dramatik der Tonfolgen nicht von üppigen Bildbeigaben überdeckt wurde. Mit ihrem Erfolgsstück "Sinfonische Variationen" über "Innsbruck, ich muss dich lassen" und -bei "La Storia" mit ihren beeindruckend herausgespielten Wechseln von Piano zu Forte und Fortissimo- begeisterte das 1. Jugendorchester in der bis auf den letzten Platz besetzte Halle. Schon am Sonntag Abend begann das Daumendrücken, dass auch unter Marc Widmann beim Internationalen Akkordeonfestival Innsbruck 2004 an die Vorjahreserfolge angeknüpft werden kann.
Dieser Artikel, der von Siegfried Hörner verfasst wurde, erschien am 03.12.2003 in der Pforzheimer Zeitung.

Ein Abschied voller Esprit und Ideen

WIMSHEIM - Das Akkordeon-Orchester Wimsheim präsentierte unter der Leitung von Maic Widmann, der das Ensemble als neuer Dirigent leitet, ein besinnliches Adventskonzert. Gleichzeitig wurde die langjährige Dirigentin Rose Bühlmaier in den Ruhestand verabschiedet.

Das dritte Jugendorchester eröffnete den Nachmittag nach der Kaffeestunde mit Curt Mahrs "Glückskäfer", der fliegend und summend einen ganzen Strauß voller Melodien beschwor. Der reizvolle "Blumen-Tango" von Walter Wild kam als westindisch-mexikanischer Volkstanz im langsamen zweiteiligen Takt und synkopierten Rhythmen daher. Zwischendurch überraschte der Nikolaus nach dem knisternden Tango die kleinen Gäste. Das zweite Jugendorchester begeisterte die zahlreichen Gäste mit Robert und Richard Shermans "Dschungelbuch" wiederum unter der Leitung von Maic Widmann nicht weniger. In der kunstvoll arrangierten Akkordeon-Fassung gewannen die Abenteuer des Jungen Mogli und des Bären Balu sofort an Leben.

Noch besser kam "Can you feel the Love tonight" aus "The Lion King" von Elton John und Tim Rice (Bearbeitung: Willi van Dungen, Hans-Günther Kölz) an. Lyrische Emphase und thematischer Reichtum ergaben einen strahlend dahinströmenden Klangfluss, der das zweite Jugendorchester im besten Licht zeigte. Auch das erste Jugendorchester wurde souverän vom neuen Dirigenten Maic Widmann geleitet. Jacob de Haans "La Storia" weckte fast melancholisch die Lebensgeister, das harmonische Gebilde fächerte sich jedoch merklich auf, wozu Foppe Jacobis originelle Bearbeitung beitrug. Hans Bolls reizvolle sinfonische Variationen über "Innsbruck, ich muss dich lassen" wurden mit dynamisch großem Ausdrucksvermögen interpretiert. Die jungen Musiker lauschten intensiv der Musik nach.

Eine besondere Überraschung bot das Ensemble BiSCáS unter der anspornenden Leitung von Sören Grein. Hier ließ man nämlich Rose Bühlmaiers Leben mit Diaprojektionen und Sören Greins Komposition "Melodies for Rose" bemerkenswert Revue passieren. Greins melodischer Einfallsreichtum wirkte erfrischend. Zudem erfuhren die Zuhörer, dass Rose Bühlmaier innerhalb ihres langjährigen Musikerlebens reiche Erfahrungen sammeln konnte - so unter anderem bei den "Musiktagen Mannheim" oder beim Festakt "50 Jahre Leonberger Harmonikafreunde", wo sie aktiv mitwirkte. In diesem Sinne wurde der verdienten langjährigen Dirigentin symbolisch eine "Goldene Schallplatte" überreicht.

Zum Abschluss war das erste Orchester unter der Leitung von Rose Bühlmaier bei Eugen Hohneckers "Stauferland" mit majestätischen punktierten Rhythmen in seinem Element. Rose Bühlmaier forderte die Musiker bei ihrem letzten Dirigat noch einmal heraus. Edward Elgars berühmter Militärmarsch "Pomp and Circumstance" Nr. 1 ging in der interessanten Bearbeitung von Werner Niehues auch ohne Streicherapparat ins Gemüt. Wie Elgar Klassizismus und Romantik kunstvoll miteinander verband, wurde auch mit einem Akkordeonensemble ausgezeichnet deutlich. Selbst impressionistische Assoziationen meinte man herauszuhören. Im Hintergrund zeigte der Diaprojektor eine effektvolle London-Fotografie. Schließlich beschloss Kees Vlaks "New York Overture" das Programm für dieses originelle Abschiedskonzert.
Dieser Artikel, der von Alexander Walther verfasst wurde, erschien am 03.12.2003 in der Leonberger Kreiszeitung.
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